STATUS QUO

Status Quo: Entgelt(un)gleichheit in Deutschland

Frauen verdienen weniger als Männer, nicht nur in Deutschland, sondern überall in Europa. In Deutschland liegt die Lücke zwischen den Gehältern von Frauen und Männern im Jahr 2019 erstmals unter 20 Prozent (Statistisches Bundesamt 2020). Selbst bei gleicher Qualifikation und ansonsten gleichen Merkmalen beträgt der Unterschied immer noch sechs Prozent. Ein Hinweis auf nach wie vor ungleiche Chancen von Frauen und Männern am Arbeitsmarkt.
01.12.2020

Viele staatliche Reformen der letzten Jahre haben gesellschaftliche Veränderungen unterstützt und dazu beigetragen, dass heute mehr Frauen und Mütter erwerbstätig sind, sich die Dauer der familienbedingten Erwerbsunterbrechungen reduziert hat und auch Väter Familienauszeiten nehmen können. Trotzdem hat sich die Entgeltlücke zwischen Frauen und Männern in den letzten Jahrzehnten kaum verändert – geschweige denn geschlossen.

Gender Pay Gap in Deutschland

Der Gender Pay Gap ist ein Gradmesser für die Chancengleichheit von Frauen und Männern. Er offenbart, wie und wo Frauen im Erwerbsleben immer noch benachteiligt werden. Deswegen wird er auch herangezogen, um über die Entgeltungleichheit zwischen Frauen und Männern zu sprechen.

Der Gender Pay Gap, also die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern, ist erstmals seit vielen Jahren unter 20 Prozent gesunken. Frauen haben im Jahr 2019 in Deutschland durchschnittlich 19 Prozent weniger verdient als Männer. Das bedeutet: Pro Stunde erhielten Frauen beispielsweise 2019 durchschnittlich 17,72 Euro brutto, Männer hingegen 22,16 Euro (Statistisches Bundesamt 2020). 71 Prozent des Verdienstunterschieds sind strukturbedingt, also unter anderem darauf zurückzuführen, dass Frauen in schlechter bezahlten Branchen und Berufen arbeiten und seltener Führungspositionen erreichen. 

Der Gender Pay Gap fällt selbst innerhalb der Bundesrepublik sehr unterschiedlich aus. In Ostdeutschland lag er 2019 bei sieben Prozent, in Westdeutschland und Berlin bei 21 Prozent. Das hat verschiedene Gründe. In Ostdeutschland arbeiten Frauen öfter in Vollzeit, sie arbeiten in der Privatwirtschaft häufiger in Führungspositionen und sie sind in höher bezahlten Berufen der Industrie und Fertigung tätig. Außerdem arbeiten Männer in Ostdeutschland im Vergleich zu Westdeutschland öfter im niedriger bezahlten Dienstleistungsbereich und es gibt weniger tarifgebundene Arbeitsplätze. Zudem fallen die Löhne und Gehälter in Ostdeutschland insgesamt niedriger aus als die Durchschnittsverdienste in Westdeutschland.

Der Gender Pay Gap ist in Deutschland deutlich höher als im EU-Durchschnitt. Von den 28 EU-Staaten wies nur Estland mit 22 Prozent einen noch höheren geschlechtsspezifischen Verdienstunterschied auf. Auf ähnlichem Niveau wie Deutschland lagen Österreich, Tschechien, das Vereinte Königreich, die Slowakei und Lettland (20 Prozent). Die Staaten mit den EU-weit geringsten geschlechtsspezifischen Unterschieden im Bruttostundenverdienst waren Luxemburg (1 Prozent), Rumänien (2 Prozent) sowie Italien (4 Prozent). 

Unternehmen übernehmen Verantwortung

Aus der individuellen Sicht der Unternehmen hat das Thema Gender Pay Gap in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Hierfür können vielseitige Gründe angeführt werden:

  • Unternehmen sehen sich zunehmend mit der Erwartungshaltung verschiedener Anspruchsgruppen konfrontiert, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen.
  • Eine zentrale Anspruchsgruppe für Unternehmen sind hierbei aktuelle oder potenzielle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, insbesondere vor dem Hintergrund des zunehmenden Fachkräftemangels.
  • Um diese über relevante Themen wie Chancengleichhet und Antidiskriminierung zu informieren, wenden sich immer mehr Unternehmen an ihre Anspruchsgruppen, z.B. in Form von Nachhaltigkeitsberichten.
  • Zusätzlich nehmen gesetzliche Verpflichtungen zur Offenlegung nichtfinanzieller Informationen auch zu Arbeitnehmerbelangen zu.
  • Zugleich stellt der erhöhte Berichtsbedarf die Unternehmen vor neue Herrausforderungen u.a. in der Erfassung und Auswertung notwendiger Informationen sowie der Erbringung hinreichender Nachweise.